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"Lichter
im Herbst
Im Herbst verfärbt
sich das Laub der Bäume und der Sträucher . Der Wein Erhält
seine letzte Reife und mit ihm die Soldaten ein Fieber das sie in
die Natur lockt . Die Letzten schönen Tage mit Weitsicht nutzen
Tiefflieger aus , donnern über Weiden , Dörfer , den Wäldern
die ruhe für lange dunkle Tage sucht , durchbrechen mit erschreckendem
Gebrüll die Schallmauer . Die Fensterscheiben klirren , der
Mensch zuckt ängstlich zusammen . Kinder suchen den Himmel
ab , bestimmen den Flugzeugtyp , schreien aufgeregt es sei eine
Phantom . Die Starfigther sind auf einen anderen Horst . Es gibt
viel zu sehen , für Kinder , im Herbst . Auch färbt
der Herbst die Gesichter vieler neuer Arbeitsloser . Blaß
färbt er sie , ein wenig erfroren , müde mit Verbitterung
gemalt . Wie Vieh drängeln sie sich auf langen Korridoren
, eine Einladungskarte in der Hand . Niemand murrt , alles schweigt
beschämt , bald besinnlich wie bei einem Kirchgang . Es ist
Herbst . Er ist ein feiner Maler . All Jene , mit oder ohne Einladungskarte
werden genauso gehen wie sie kamen . Mit leeren Händen .
Unbedeutend die kleine Zahl derer die eine Anstellung in Aussicht
haben . Die Auswahl unter Ihresgleichen ist groß . Erdrückend
groß . Bald wird es Weihnachten , dann werden viele gedemütigten
Väter betrunken unter den Christbäumen liegen . Die Frauenhäuser
werden aus allen Nähten Platzen wegen geschundener Frauen und
deren Kinder . Ein zerstörtes Bild des Wohlstandes spiegeln
die Wohnzimmer wider . Im Chaos der eigenen vier Wände wird
jeder Axthieb auf das mühsam abgesparte Möbelstück
noch im ausholen das ewige Lied von mehr Umsatz singen . Wehe ,
weil es so viele sind . Manch einer lehnt mit schweren Gedanken
am Geländer der Mainbrücke , verfolgt mit Wehmut das Treibgut
, das leicht und unbeschwert vom trüben Wasser umspielt
dem Turbienenrost der nahen Staustufe entgegeneilt . Da will er
auch so sein , sich erhöhen , eine Schlagzeile werden : Leichnam
geländet ! Einer weniger , es geht aufwärts , die Arbeitslosigkeit
nimmt ab . Wer wird fragen , um ihn weinen ? Die Freunde , die
Verwandten und alle die ihn von damals her kannten ? Nein ,
der Herbst . In der Fußgängerzone sitzen nah bei
nah gefallene Existenzen , halten frierend ihren Hut auf . Mit einem
Bittschild um den Hals erinnern sie an Bildern finsterster Tage
, an Menschen die fein säuberlich an einem Baum erhängt
, noch im Tod erniedrigt durch ein Schild an die Brust geheftet
auf dem zu lesen stand : Ich bin ein Verräter ! Noch werden
sie geduldet von Vorbeieilenden . Niemand kann von sich sagen ob
nicht er bald bei jenen sitzen wird , spendet bei Gelegenheit eine
Mark als könnte das Unglück von sich abwende . In
den Irrenhäusern der Stadt träumen Träumer ihren
der Offenbarung . Tage gibt es wie eine offene Tür ins Dunkel
. Ein Trost . Jeder darf einmal im Monat seine alte Maschine besuchen
kommen . Seinen Arbeitsplatz. Der alte Meister steht daneben . Tröstend
und gleichsam ermutigend klopft er dem Arbeiter auf die Schulter
und sagt das es schon werden wird . Es wird schon werden ! Und die
Hand des Arbeiters streift über die Maschine , nimmt den Geruch
von Maschinenöl an , und ein tiefer Seufzer löst sich
aus seiner Brust das dem Meister die Tränen in die Augen schießen
. Im Hintergrund postiert sich der Firmenchor , schmettert ein Lied
: Es wird schon werden , werden wird es schon . Laut schlagen die
Türen der Träumer zu , fanden nicht den Weg in den Main
Vor den Fabriktoren sammelt sich Volk , ein Geistlicher erhebt
sich aus ihrer Mitte und fleht zu Gott er solle doch Arbeit geben
. Und sie beten : Erbarme dich Gott , Gott erbarme dich doch , wir
brauchen Arbeit um zu leben . Gleich darauf gesungen mit aller Inbrunst
; Mach hoch die Tür die Tor mach weit . Und alle Konzernherren
und Fabrikbesitzer drehen sich vor lachen im Grab herum . Die Toten
wissen daß Abel den Pflug von Kain geführt zog .
Kain entdeckte das Zugtier Ochse und mußte notgedrungen seinen
Bruder erschlagen weil gemeinhin galt ; wer nicht arbeitet soll
auch nicht essen . Die Türen schlagen laut zu - im Herbst .
Im grünen ergehen sich viele Ruhelose , begehen manche Wege
, halten Ausschau nach Winkel in der Natur wo sie sich in Kindertagen
verbargen . Kein Strauch ist verblieben , kein Dickicht mit Verstecken
lädt zum spielen ein . Die Feldwege sind breitgeschlagen ,
bedeckt mit Asphalt , aufgeräumt sind auch liebliche Waldwege
, schotterglatt gestampft. Das ist ein Müßiggang ! Die
Pupillen weiten sich erstaunt . Felder bis über den Horizont
und weiter sind glattgefegt . Kein Baum , kein Rain . Glatt planiertes
Grauen beschaut den Betrachter - Funktion . Nur weg , weg in Eile
, sich an den armen setüzten , aus dem Fenster schauen .
Warten , hoffen , Geduld üben wie die Alten die den Tod er
warten . Grau sind die Straßen in de Siedlung . In Reihen
wie Baracken die Eigenheime ,die Zimmmerwände , dieGärten
, die Menschen der gleiche zuschnitt von der Stange . Nur vereinzelt
regt sich leben . Das ist ein Ausblick . Frauen mit Taschen und
Plastiktüten ziehen in den Supermarkt . Leichten Schrittes
gehen sie hin ,schwer beladen kehren sie heim . Ihre Oberkörper
beugen sie im Gleichtakt ihrer wiegenden Schritte als Gegengewicht
der Last . Mechanisch pendelt der leicht ins leerre wie eine hilflose
schwimmbewegung eines Ertrinkenden. Das wenige Geld ist weggetragen .
Und die Sorgen ? Wer trägt all ihre Sorgen fort ? Manch einer
verspürt Lust die Rollos am Tage herunterzulassen , einfach
die Gardinen zuziehen , sich verdunkeln ,sich schlafen zu legen
,möchte sich wegträumen im Suff in eine andere Welt ,
eine andere Zukunft , die tief versteckt im Hinterkopf von der Jugendzeit
ausharrt , sich trügerisch ausmalt in rosablassen Farben ,
jeden Wunsch nach Anerkennung der Person mit Bonbonpapier zudeckt
wie ein Leichentuch . Keine Energie wohnt in Muskeln , kein Widerstand
im Bewußtsein . Im Todeskampf wälzt sich die Persönlichkeit
, stirbt qualvoll , ist zu einer unbedeutenden Nummer geworden .
Das ist ein Herbst der
sich überschwenglich austobt im buntem Geben . Wer wird der
nächste sein ? Wer geht vor dem anderen in den vorgezogenen
Ruhestand , in die stille der Wohnzimmer ?Ellenbogen spitzen sich.
Speichellecker nutzen die Gunst der Stunde . Jeder will der tadelloseste
Meisterschleimer sein . Fehlerlose Arbeitsbesitzer brauchen
keinen Gott , keine Freundschaften , sie stehen aber dennoch unter
dem Kreuz vereint vor den Fabriktoren wenn es auch ihnen an den
Kragen geht . Sie schleudern Gebete gen Himmel , wünschen ,
erflehen dem Betrieb Gesundung , der Wirtschaft . Der Aufschwung
muß kommen auf Teufel komm raus ,jetzt und hier und nur für
mich . Das ist ein Sumpf . Gesichter zeigen ihr wahres Antlitz
. Kalt lächelnd stehen Kollegen bis an die Unterlippe in dieser
Jauche , beruhigt durch die Gewißheit auf einen anderen Kollegen
stehen zu dürfen . Benommen leckt der Untergetrtenen seine
Lippen . Er schmeckt , kostet noch einmal , widert sich an . Er
schmeckt sich und seines gleichen . Tapfer sind die unterlegenen
. Es ist ein großes Spiel . Es darf neu gewürfelt werden
. Wie läufige Hündinnen die Politiker . Jedem und
allem strecken sie ihre geile Schnalle hin der sie nur ein wenig
begehrlich findet . Wütend verbeißen sie den Betrogenen
nach erfolgter Ejakulation . Ihre Versprechungen wollen sie nicht
halten , konnten sie noch niemals . Nur nach einem Wort gieren sie
, dem Jawort , dem Kreuz des Verlierers . In Ungleiche Lager aufgeteilt
- große , kleine , unbedeutende , bedeutende , wichtige -
die verprellten Liebhaber .Die randvoll mit Liebesbeweise gefüllten
Urnen werden auf den Tisch der Wahrhaftigkeit ausgeschüttet
. Urnen voller Ja- und Neinworte , Asche ,erloschene Gunst .
Kinder stehen auf gegen ihre Väter weil sie eine andere Politik
lieben , die sich tadelloser zeigt , gerissener nach Kreuze giert
. Krieg bricht in den heimeligen Wohnzimmern aus . Die Axt wird
geschwungen , schlägt brutal auf alles widerspenstige das sich
zeigt ein . Wütende rotgesichtige Väter verstoßen
ihre „“ Brut „“, die Urkraft ihrer Lenden , wünschen sich kastriert
. Das ist eine Stimmung . Richtig herbstlich . Auf den Winterweiden
drängen sich dicht an dicht ängstliche Schafe . Das Volk
. Die Wölfe gehen um . Heiser bellen die politischen Hütehunde
, versuchen den ängstlichen mutig zu stimmen . Ein vergebliches
Unterfangen in Anbetracht der Wölfe die zähnefletschend
das Gatter umstreifen , an ihm rütteln , spielend leicht Latten
ausreißen kann aus dieser argwöhnisch sicheren Festung
. Genüßlich weiden sie sich lieber an dem ängstlichen
blöken .Durch das Land und über die Mainbrücke hinweg
rollen Militärkonvois . Transportfahrzeuge mit Munition
beladen , andere beladen mit Menschen die sie verschießen
darf . Gepanzerte Fahrzeuge aller Art rasseln über die Brücke
. Leichte Panzer , schwere Panzer , Selbstfahrlafetten , Haubitzen
. Umschwärmt von motorisierter Militärpolizei der Transport
einer schlanken Atomrakete . Ob sie auch wirklich fliegen kann
? Niemand weiß es , fürchtet sich , denn es ist Herbst
- die Zeit vieler Manöver . Angst schnürt das Gehirn
ein , scharf , mit einer Kälte die sie unwirklich empfinden
läßt. Und ein Aufatmen geht um , ein Stück Erleichterung
darüber , daß es den politischen Gegner ebenso ergeht
. Welch ein Segen ! Angst , Bedrohung , um die Möglichkeit
zu wissen den gesamten Erball zu verbrennen wirkt beruhigend .
Die Monopolisten bejubeln ihre Umsatzraten , die Militärs den
Zuwachs an Megatonnen, an Bedrohungspotential , an Sicherheit ,
Friedenssicherung , die Politik ihre FRIEDENSGARANTIE . Füllen
sich aber die Straßen Mit Menschen die einen anderen Frieden
wollen bringen die den Frieden in Gefahr . Den Inneren Frieden
. Hoch lebe das Schweigen der Masse , hoch die Stille eines vollen
Gotteshauses in dem das Schweigen nach dem Tode eingeübt
wird . Leben ist ein achtenswertes Geschenk , jawohl - doch das
Himmelreich steht jedem offen wenn er nur willig ist , im Herbst
. In den Seitengassen der Stadt versteckt atmen die Obdachlosen
im Rinnstein Alkohol und ihr Leben aus . Aus offenen Fenstern dringt
fröhliche Radiomusik und dich gedrängt auf dem Boulevard
schlendern Kaufgierige über Hundescheiße zum Schlußverkauf
. Uniformierte vertreiben saufende Grüppchen aus den Grünanlagen
die sich mit Wein und Bier den grauen Tag versüßen .
Ein sauberer Park verlangt nach sauberen Menschen , das satte grün
schreit nach satten Menschen und auch die Sonne kommt nur dann richtig
zur Geltung wenn ihr Licht auf saubere , reine , anständige
Kleidung scheinen darf . Der Ballast der Gesellschaft verschwindet
im Hinterzimmer , die Creme sucht ihren alten angest ammten Platz
auf der Promenade . Und dringt ein lautes Singen von Freiheit und
Gerechtigkeit alter Lieder , die neu erblühen im grau , aus
vollen Hinterzimmern hinaus auf die Promenade , stellt ein
gezielter hieb , mit Verachtung und Ekel ausgeführt , machtvoll
die erstrebte ruhe wieder her . Hallen aber schwere Stiefelschritte
In schwarzbraun gekleideter durch die Straßen , die
frohgelaunt lange verdrängte Lieder bitterster Vergangenheit
hinausbrüllen , legt sich nur ein dümmliches Lächeln
um den Mund der Obrigkeit , der Gerechtigkeit . Braun färbt
der Herbst die Blätter aller Bäume , in mannigfachen
Tönen .In Augenblicke allergrößter Verzweiflung
über ihre finanziellen Notlage , legen Männer Hand an,an
Frau und Kinder , binden sich stumm einen Strick um den Hals der
sie eilig von dem Beschämen erlöst ein nutzloser Versager
zu sein . Stumme Aufschreie in sich Zerrissener Menschen ,
die in den Schlagzeilen der Presse untergehen . Welch Aggression
. Voller Verachtung blicken die Jungen auf die Alten herab ,
auf deren Welt in die sie entlassen werden sollen , in der sie sich
bewähren müssen , den Beweis erbringen sollen einer guten
Generation anzugehören auf die jeder stolz sein kann .
Aber es ist eine verlorene Welt , eine Welt für die sie nur
Steine übrig haben . Eine Umwelt kann nicht heuchlerisch umarmt
werden in der Hoffnung , daß sie sich bessert . Eine alte
Generation , die nicht im stande ist die nach ihr Kommenden freundlich
und aufgeschlossen ihre Ideen würdigt , wird vergeblich um
Anerkennung buhlen . Nur ein dummer wird sich in eine Sackgasse
locken lassen dessen Ende er vor Augen sieht . Durch die Straßen
treiben die Kinder des Wohlstandes wie Müll , legen von dem
Zeugnis ab was niemand betrachten will . Die Fassaden
glänzen und ratlos vor ihnen mit glasigen Augen die Jungen
, die ihre Fäuste ballen , an ihrem Zorn ersticken , ein erfrieren
im Kopf verspüren , weil sie zu nutzlosen Betrachter verurteilt
werden . Haltlos treiben sie in ihrer eigenen Welt , basteln
an ihr , brechen mit ihr , schlagen blind um sich , reagieren sich
ab bis sie sich hilflos geworden treiben lassen von der Agonie die
sie umgibt , lassen sich von ihr auffangen wie in einem Federbett
das den schwächsten all seine Träume zu erfüllen
vermag . Geistig verhungert in der Warteschlage im Arbeitsamt
, ertrunken im gierigen Strom von Alkohol , ausgeträumt im
Bett von Heroin , spukt die Gesellschaft sie wie Erbrochenes aus
. Kein Lichtblick will sich zeigen , nicht ein ersehnter Hoffnungsschimmer
der vielleicht den letzten geduldig wartenden vor dem Absturz ins
Nichts bewahren könnte . Und nackt schauen die Äste der
Bäume in den Himmel , erwarten den Winter und hoffen
, daß er sie nicht erfrieren läßt .
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