Das Schweinfurter Tagblatt schrieb:

Der Lyriker aus der Fabrikhalle 10.10.2000 16:15

"Stille Stürme" - Friedhelm Schulz veröffentlicht auf der Frankfurter Buchmesse seinen zweiten Gedichtband.

Friedhelm Schulz arbeitet tagsüber und schreibt nachts Gedichte

GOCHSHEIM (WKV)

Seinen Schnurbart trägt er hoch gezwirbelt, wie Salvator Dali. Seine schwarze Kleidung und sein graues Haar, das er sich zum Pferdeschwanz zusammenbindet, lassen auf einen Künstler schliessen. Das ist allerdings nicht das ganze Leben von Friedhelm Schulz. Schreiben ist zwar seine Leidenschaft, im wirklichen Leben aber verbringt er seine meiste Zeit in der Fabrikhalle. Dort verdient er sein Geld.

Diese gegensätzliche Welt, die des Intellektuellen und die des Arbeiters, ist auch eines der Themen in seinem gerade erschienen Gedichtband "Stille Stürme". In dem Band sind seine Gedichte aus den letzten 16 Jahren gesammelt. Es ist nicht das erste Buch von Friedhelm Schulz. 1981 erschien sein Gedichtband "Wie sie leben, was sie fühlen".

Zwischen diesen zwei Büchern liegt ein bewegtes Leben. Denn Friedhelm Schulz war nicht immer in der Fabrikhalle. 18 Jahre lang war er Hausmann und hat seine zwei Söhne alleine groß gezogen. Das Leben als Hausmann hat er geliebt: Es hat mich voll erfüllt, mich um meine Söhne zu kümmern." Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde er auch von den Hausfrauen in seiner Umgebung akzeptiert und zum Kaffeklatsch am Nachmittag eingeladen. "Nur die Ehemänner haben teilweise etwas komisch geguckt, wenn sie nach Hause kamen und nicht nur Frauen in ihrem Wohnzimmer fanden."

Mit dem Schreiben hat er schon sehr früh angefangen. Mit zehn Jahren schrieb er sein erstes Gedicht. Ernsthaft mit dem Schreiben begonnen hat er aber erst mit 25 Jahren. Nach der Trennung von seiner Frau.

Von gebrochene Herzen, von der schwierigen Beziehung zwischen Mensch und Frau, davon erzählen viele seiner Gedichte. Anschaulich, mit einprägsamen, schnörkellosen Bildern beschreibt er sein Seelenleben. Eine klare Sprache ist ihm wichtig. Und aus dem Leben sollen die Gedichte sein. Die Leser müssen sich wieder erkennen können in seinen Gedichten. Auch der Arbeiter in der Fabrik soll seine Gedichte verstehen. Er selbst liebt die Gedichte von Charles Bukowsky. Er schätzt die Realität und die Menschlichkeit in diesen Gedichten. Wie auch bei einem weitern Lieblingsschriftsteller John Steinbeck.

Schulz schreibt nicht nur Gedichte. Drei fertige Romane hat er in der Schublade, sie warten noch auf einen geeigneten Verlag. Wie auch seine Kurzgeschichtensammlung.

Einen traurigen Unterton trägt alles was Friedhelm zu Papier bringt. Leben ist für ihn doch mehr Trübsal als Freude. So lebt er auch recht zurückgezogen in seiner Dachwohnung in Gochsheim. Am liebsten schreibt er nachts.

Das schönste im Leben ist für ihn das Wochenende. Wenn er tun kann, was er will: Freunde treffen, ins Museum gehen.

Wichtig ist für Schulz, "nicht abzustumpfen". Dass er trotz des Fabriklebens einen offenen Blick für seine Welt behält. Sich nicht unterkriegen zu lassen, das denkt er hat er ganz gut gemeistert, trotz mancher Rückschläge.

Das Buch "Stille Stürme" von Friedhelm Schulz ist im Selbstverlag erschienen.

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